René Gabriel
Fassprobe: 47 % Merlot, 46 % Cabernet Sauvignon, 7 % Petit Verdot: Delikates, süsses Bouquet, zeigt viel Facetten und bereits als Fassprobe die schöne Duftigkeit, reife Maulbeeren, helle Hölzer und weisse Pfefferkörner. Im Gaumen feingliedrig, also fast das Gegenteil vom Château Margaux 2004, sehr feminine Textur, tänzerisch, und mit einer rot- bis blaubeerigen Fruchtausrichtung ausgestattet, in Nachklang noch leicht gerbige Adstringenz man spürt die Rasse vom Presswein die ihm fast eine Lebkuchen-hafte Aromatik im intensiven Finale abgibt. Momentan der beste Margaux und mit seinem eigenen 1985er vergleichbar. 07: Mittleres Rubin, dunkel in der Mitte, aufhellend am Rand. Süsses, berauschendes, vielschichtiges Bouquet, rote Kirschen, frisch gebackenes Schwarzbrot, Terroir-anzeigende Mineralität. Im Gaumen samtig, elegant, die Gerbstoffe gleiten wie Seide über die Zunge, Finessen und Eleganz prägen diesen Wein der früh und lange Freude machen wird. Ein burgundischer Klassewein! 11: Ueli Eggenberger liess den Wein dekantieren und brachte ihn blind. Ich lag mit meinen ersten Erwartungen tief. Also hätte ich ihn nicht für einen grossen Bordeaux gehalten. Säuerlich, vordergündig, prägnant. Ich hatte auch keine Lust ihn gleich zu trinken. Also warteten wir ein wenig und tranken derweil andere Weine. Nach einer Stunde war es dann ein grosser Bordeaux, aber auch noch ein zu junger Bordeaux, einer der sich einfach (noch) nicht öffnen will. Also noch ein paar Jahre warten. (19/20). 14: Dicht und fleischig. Viel Charakter. Das spricht zwar nicht so für einen palmerischen Typus - aber für den Jahrgang. (19/20). 16: Noch dunkles, sattes Granat, immer noch lila Schimmer im Innern. Das Bouquet ist tiefgründig und zeigt eine noble Zurückhaltung, alles liegt fast im schwarzbeerigen Bereich, vor allem Cassis und Brombeeren sind reichlich vorhanden. Im zweiten Ansatz laktische Nuancen, welche dem Bouquet einen fülligen Drive verleihen. Was mich da erfreut ist die noble Art, welche von diesem unglaublich tiefgründigen Nasenbild ausgeht. Im Gaumen samtig, weich und mit einer anschmiegsamen Textur. Das Finale unglaublich lang und schier nur schwarzbeerig ausklingend. Das wird ein ganz grosser Palmer! Und vielleicht muss man darauf auch nicht so extrem lange warten, denn die Grundanlagen zeigen sich schon mit recht intensiver Aromatik. (19/20). 19: Der erste Jahrgang vom neuen Direktor Thomas Duroux. Recht stattes und ziemlich dunkles Purpur. Es zeigen sich immer noch violette Reflexe in der Mitte. Das Bouquet gibt sich schon recht zugänglich und vermittelt den Eindruck eines klassischen, terroirbezogenen Bordeaux. Erste Brazil-Tabaknoten, tintige Spuren, immer noch blaue Beeren. Im zweiten Ansatz findet man florale Züge, erste Sommertrüffel und eine heimliche Süsse. Im Gaumen fester Körper, ausgeglichene Adstringenz. In der Mitte zeigt sich (noch) eine leicht pfeffrige Säure, die Tannine verlangen nach weiterer Flaschenreife, aber der erstmögliche Genuss ist in Sichtweite. Zwei Stunden Dekantieren verhelfen zu einem ganz grossen Bordeauxerlebnis. Am Beginn einer sehr langen Genussreife. Eine Kaufempfehlung für Klassik-Liebhaber. (19/20). 19: Dichtes Purpur mit blutfarbenen Reflexen, aussen ganz minime Reifetöne. Das Bouquet gibt sich gleich zu Beginn sehr tiefgründig, zeigt so viel blaue und schwarze Beeren wie kein anderer Süd-Médoc, ein Cocktail von Cassis, Brombeeren und Maulbeeren. Im zweiten Ansatz Schwarzbrotkruste, wohlig und erhaben ausladend. Im Gaumen bleibt er fast nur noch schwarzbeerig, samtweiches Extrakt, ausgeglichene und reif anmutende Adstringenz, gebündeltes Finale und viel, immer noch sehr intensive Rückaromatik. Er kann den etwas kühlen Jahrgang nicht ganz verbergen, dafür gibt er sich als geduldiger und noch langlebiger Klassiker. Für diesmal ist er eher ein ganz grosser Margaux, wie ein fokussierter Palmer. Er hat an der Luft stetig zugelegt. Also kann längeres Dekantieren nicht schaden. (19/20). 21: Dunkles Granat mit minimen Reifetönen welche aus dem Innern strahlen. Kühl ausströmendes, von Cabernet geprägtes, noch zu junges und somit auch noch verhaltenes Bouquet. Er zeigt, aber, dass er a.) ordentlich in die Tiefe geht und b). zu recht grosser Klassik neigt. Im Gaumen noch frisch, fleischig mit viel blauer bis schwarze Frucht. Zusätzlich vermittelt er Lakritze ohne Ende und schwarzes Pfeffermehl. Ein Jungbrunnen mit viel weiterem Potential. Noch weit weg von der Genussreife. Eine seriöse Kaufaffäre für Übermorgen. So ab 2027? (19/20). warten