René Gabriel
02: Weniger Mission – mehr Haut-Brion! Gegenüber 2000 gab es beim Jahrgang 2001 etwa 10 % weniger Mission (6'400 Kisten), dafür aber etwa 2 % mehr Haut-Brion (11'800 Kisten). Der Mission ist konzentrierter und zeigte in seinen Werten einen leicht höheren Alkoholgehalt. Nämlich 13,57 % Vol. gegenüber 13.18 % Vol. beim Haut-Brion. Notiz von der Primeurprobe: Dunkles, tiefes Granat mit rubinen und violetten Reflexen. Nobles, delikates Bouquet, viel blaubeerige Frucht vermischt mit reifer, jedoch leicht floraler Cabernet-Würze, Schoko- und Minzentöne, dunkle Pralinen, Palisandernoten, warm und aromatisch. Samtener, fleischiger Gaumen, viel Fett in den Gerbstoffen, die aussen bereits Rundungen zeigen, innen aber eine charaktervolle, leider leicht kernige Note präsentieren, erst im Nachklang kommt die gewaltige Tanninstruktur zum Vorschein und lässt erahnen, dass es sich hier um einen Wein handelt, der zwar schon früh einen gewissen Charme versprühen wird, aber trotzdem zu den sehr langlebigen Missions gehört. Im direkten Vergleich bringt der Mission zum Haut-Brion mehr Aromatik und auch etwas mehr Fleisch. Mit Pape-Clément einsamer Leader der Appellation. Also momentan eindeutig besser als Haut-Brion. 05: Dunkles, sattes Granat-Purpur. Cremiges, süsses Bouquet, wirkt etwas laktisch, Butter- und Röstmandeln, Pralinen und helles Caramel, absolut nobel, wen auch momentan noch etwas von der Barriquensüsse beeinträchtigt. Viel Charme im Gaumen, komplex, weich uns samtig, erinnert fast etwas an einen modernen Napa-Wein, dahinter reifer, blaubeeriger Cabernet Sauvignon mit deutlichem Cassiston. Grosser Mission, der aber auch anzeigt, dass es mit der alten Technik eindeutig vorbei ist, was vielleicht zu einem neuen Geschmacktypus für dieses langjährig als sehr traditionell einzustufende Château zu handeln ist. 08: In Wien floss der Wein in Massen zum Tafelspitz im Hotel Sacher. Caramell, rote Kirschen, Rosenpfeffer, sehr elegant mit einer ersten Süffigkeit die jedoch noch weit von der effektiven Genussreife entfernt ist. (19/20). 09: Dunkles, dichtes Granat. Kräutriges Bouquet, Tabak, Korinthen, feine Rauchnoten, Pumpernickel. Grosser Gaumen, fleischig, eine tolle Konzentration zeigend, Holunder, Black-Currant, aussen rund innen kräftig, geniale Länge. Legt permanent zu und gehört zu den nicht ganz heimlichen Stars des Jahrganges. Damals noch weit günstiger als die Premiers und somit ein toller Wertkauf. 10: Bei einem Lunch auf La Mission. Alle waren begeistert. Hier kann man schon mal den Korkenzieher holen. Aber nicht gleich die ganze Kiste austrinken. (19/20). 12: Dunkles Weinrot, schöne Mitte, noch keine Reifetöne. Delikates, sehr vielschichtiges Bouquet, zeigt dabei eine erste, zarte Öffnung, rote und schwarze Johannisbeeren, aber auch etwas Brombeeren, ein Hauch Zimt und Edelhölzer, verführerische Röstnoten. Harmonischer Gaumen, wunderschön ausgelegt und mit einer sehr feinen, noch stützenden Adstringenz. Eleganz pur. Hier paaren sich Finesse und Power. Eine der heftigsten Kaufempfehlungen für wahre Missionfans. 14: Bei einem Diner auf Haut--Briuon. Er war genau auf den Punkt dekantiert und bereitete enorm Spass. 15: Magnumflaschen im Schloss Brandis am R&R-Abend. Das war fast ein Kindermord. Die Dinger waren extrem jung. Ein gigagrosser Mission. Geduld bringt Pessac! (19/20). 16: Im Gupf getrunken. Hat sehr viel Spass bereitet und war (zu) schnell leer. 16: An der grossen 2001er Probe in Eschenbach. Während ich die Flaschen entkapselte und entkorkte, dekantierte Patrick Bopp rund zwei Stunden vor dem Beginn die Flaschen. Dabei schnüffelt er jeweils über dem Trichter und Plastiksieb während dem umgiessen. Als der Mission dran kam murmelte er; «nicht schon wieder, davon hatte ich auch mal sechs Flaschen. Nur eine war wirklich gross, die anderen zeigten eine gewisse Oxydation. Die wanderten allesamt in die Spaghettisauce!». Und weil es so war, machte es dann auch wenig Sinn einfach noch mehr Flaschen zu öffnen und wir servierten diese dann mit der Erklärung, dass der Mission 2001 ein Flaschenproblem habe. Von unseren vier Flaschen war nur eine irgendwie gut. Also ist das eine ganz gewaltige Flaschenlotterie… 18: Wieder eine schier kaputte Flasche an der Kracherprobe in Podersdorf. (19/20). 20: Mitteltiefes Granat, aussen sanft aufhellend. Das Bouquet ist duftig, vielschichtig mit elegantem Ansatz. Die restlichen Beerentöne schwanken von rot- bis dunkelbeerig, helles Leder und Lakritze, im Fluss zeigt sich eine sanft-füllige Malznote. Im Gaumen gibt er sich erstaunlich feminin und zeigt so eine ganz spezielle Grazie. Das Extrakt weist noch eine feinsandige Textur an und dokumentiert dabei, dass er sich noch ganz lange in dieser wunderbaren Genussreife halten kann. Sein kleines Problem an diesem Abend bestand darin, dass er sich in der Serie gegen 2000 und 2004 behaupten musste. Das ist ihm aber recht gut gelungen. Ein Geheimtipp unter den «mittleren» Mission Jahrgängen. Leider gibt es zu diesem Wein keine Schnäppchenangebote im helvetischen Weinkaufnetz. (19/20).