René Gabriel
Paul Pontallier: <div style="font-style:italic;color:#990033">Ich weiss nicht wie der Margaux innerhalb des Bordelais einzuordnen ist, weil ich noch zu wenig 95er Weine degustiert habe. Diesen 95er stufe ich irgendwo zwischen dem 86er und 90er ein (fast 70 g Tannine). Er ist sehr konzentriert, weil wir nur 46 hl/ha ernteten und die Hälfte als Pavillon deklassierten. Ein grosser Bordeaux hat für mich immer die Faszination, eine enorme Konzentration an Tanninen aufweisen zu können, ohne hart zu werden. Beim 95er hatten wir kein einziges schlechtes Cuvée. Alles konnte sorglos verwendet werden. Dies erklärt auch den Umstand, dass uns der Pavillon Rouge so hervorragend gelungen ist. Der 95er hatte alle Grundlagen eines Jahrhundertjahrganges: Den heissesten Sommer seit 1947, der Merlot wies einen Alkoholgehalt zwischen 13,5 bis 14 % Vol. auf. Der Regen hat dann um den 20. September herum die Reife blockiert. Auf den grossen Terroirs kann man in diesem Jahr überall grosse Weine erwarten. Sobald es aber zu den kühleren Böden geht, wird es einige Enttäuschungen geben.</div> Fassprobe (19/20): Konzentriertes Maulbeerenbouquet, Edelhölzer darin, dunkle Röstnote, sehr tiefgründig. Im Gaumen extrem konzentriert, stoffig, grossartige Adstringenz, durch die Barriquenröstung eine sanfte Gebäcknote im Extrakt, ein Hauch Damassine Pflaumen in der reifen Frucht, grossartige Länge. Er hat fast die Struktur des 86ers, jedoch nicht jene grosszügige Cabernet-Note. 97: Tiefes Purpur. Reifes, sehr beeriges Bouquet mit marmeladigen Konturen, eine gewisse Barbera-Süsse, Vanille, wirkt im Moment sehr zugänglich. Im Gaumen weich, rund, fast jetzt schon zu trinken, viel Reife in den Gerbstoffen, Kirschen, Maulbeeren, sehr rotbeerig, von bezauberndem Charme und burgundischer Grösse (19/20). 00: Berauschendes Rumtopfbouquet, Wachsnoten, Sandelholz, Kandis, leicht leimig im ersten Ansatz, zu Kopf steigend und somit sehr intensiv, wirkt mit dieser Grundaromatik nicht sehr Bordeaux-typisch. Strenger Gaumen, erstaunlich rotbeerig, Datteltöne und Pflaumen, Hagebuttentouch im Extrakt, feinsandige Textur, intensiver Nachklang nach Preisel- und Maulbeeren. Zeigt im Moment eine gewisse Kalifornien-Affinität (18/20). 04: Dunkles Granat-Purpur, satt. Nussiges, mit feinen Kräuternoten durchzogenes Bouquet, erstaunlich offen, Pflaumen, Dörr- und Cakesfrüchte, fein unterlegtes Vanillin. Ausgeglichene, weit ausladende Adstringenz, reife Säure, die sich mit einem süssen, konzentrierten Fruchtextrakt verbindet, dunkles Caramel, Kandis, all diese herrlichen, süssbeerigen Noten werden elegant mit tiefgründigen, hellen Terroirwürztönen ausbalanciert, gebündeltes Finale, noch ein paar Jahre bis zur ersten Genussreife und dann geht’s gewaltig los. (19/20). 05: Sattes, tiefes Purpur mit immer noch violetten Reflexen. Traumhaftes, parfümiertes Bouquet, exotische Hölzer, viel Lakritze, Brombeerentöne, recht füllig, wirkt so bereits gebunden. Im Gaumen hoch fein, Preiselbeerennoten, seidene Textur, wunderschöne Balance, sehr vielschichtig, extrem nachhaltig mit einem vollen Beerenkorb im langen mit Fruchtdruck ausgestatteten Finale. Noblesse pur – genau so muss ein grosser Château Margaux sein! Nahe der 20/20 Marke, die er vielleicht auch einmal erreichen wird. 07: Die Farbe erstaunlich hell bei mittlerem Granat. Das Bouquet bleibt lange zurückhaltend, ja gar reduktiv zu Beginn, dann legt das Nasenbild so richtig los, die ersten Eindrücke zeigen eine toskanische Sangiovese-Affinität, dann rote Kirschen und Himbeeren, wird dabei immer süsser und auch fülliger, entwickelt dabei viel Facetten mit einem berauschenden, verspielten Parfüm. Im Gaumen tänzerisch, superb balanciert, frisch, feine Reserven, seidige, stoffige Tannine, extrem langes Finale, ein Musigny-Margaux, der heute erstmals Spass macht (eine Stunde dekantieren) und diese Freude wird mindestens 20 Jahre lang anhalten. (19/20). 15: Mittleres Purpur, immer noch rubinen Schimmer in der Mitte zeigend. Er wirkt deutlich dichter und konzentrierter als der Palmer, eine volle Ladung an Waldbeeren mit fein eichigen Kokosnoten vermischt, verspielt und parfümiert. Er hat bereits in der Nase das besondere Etwas. Im Gaumen noch jung, immer noch irgendwie fordernd, elegante Adstringenz, da ist noch unglaublich viel Primärfrucht da drin. Er steht erst in den Startlöchern einer langen Reife. Besonders schön sind die hoch feinen, ganz seidigen Tannine. (19/20). 15: Sattes Purpur-Rubin. Geniales, gepowertes Fruchtbouquet, ein richtig rotbeeriger Fruchtcocktail, dahinter helle Trockenpilze, zarte Tabakspuren und ein Hauch von Zedernholz, er legt nur zögerlich zu, was seinen Jugendeindruck zusätzlich unterstreicht. Im Gaumen wirkt er dann noch jünger. Kompakt, fordernd und mit versprechender, gerbiger Adstringenz. Ich denke, er ist momentan in einer schwierigen Zwischenphase. Also würde ich ihm unbedingt noch mehr Ruhe gönnen. Oder dann sicher lange zuvor dekantieren. (19/20). 16: Mittleres Weinrot, fein gereifter Rand. Mineralisches Nasenbild, Wildledernoten, erdiger Unterton, wirkt momentan doch ziemlich verschlossen. Im Gaumen stoffig, eine tolle, aber nicht massive Konzentration zeigend, gut stützende Säure, weist viel Eleganz auf und geniale Länge. Das wird ein ganz grosser Wein. Aber man sollte ihn noch gut 10 Jahre in der Flasche ruhen lassen. (19/20). 17: Recht dunkles Purpur, satte Mitte. Würziges, intensives Bouquet, gibt sich sehr konzentriert im Ansatz und öffnet sich nur relativ langsam. Zeigt im zweiten Ansatz ein delikates Bild mit dezent flüchtigen Nuancen, welche die Aromen in die Nase kolportieren, jetzt intensiven Röstnoten und Lebkuchenaroma aufwartend. Im Gaumen stoffig, noch etwas sperrig von den Tanninen her. Das Extrakt wirkt fast noch komprimiert und zeigt an, dass seine erste Reife noch recht weit weg ist. Das Potential ist grossartig. Warten oder lange dekantieren. (19/20).