René Gabriel
04: Fassprobe: Die tiefste Farbe aller Primeurproben seit dem Jahrgang 1985; Violett-Schwarz. Kompaktes, unglaublich tiefschürfendes Bouquet; Mahagoni, schwarzer Kaffee, Trüffel-, Rauch- und Teernoten, dahinter viel schwarze Früchte (Cassis, Brombeeren), getrocknete Pflaumen. Im Gaumen beeindruckender Auftritt, ein Wahnsinnspaket an Aromatik und Fülle mit reifen, ja fast dramatischen Tanninen, diese blau- und noch vielmehr schwarzbeerige Aromatik (Black Currant) wiederholt sich, wie immer bei grossen Cos-Jahrgängen eine gewisse Sangiovese-Affinität, königliche, aber doch irgendwie fordernde Adstringenz. Die Reife des Weines, die Konstellation der Tannine und die Dichte des Extraktes lassen den Schluss zu, dass es sich hier um den perfektesten, je produzierten Cos der neuen Zeit handelt. Cos ist definitiv zu seiner eigenen Spitze zurückgekehrt und gehört mit diesem 2003er im ganzen Médoc zu einem der absoluten Leader, ganz bestimmt jedoch von St. Estèphe (20/20). Im Mai 2006 das erste Mal als fertige Flasche verkostet. Würziges Bouquet, Nusstöne, Mocca, schwarze Pfefferkörner, Nougat und Wildkirsche von der Frucht her, wirkt aber durch die massive Konzentration noch sehr verschlossen. Im Gaumen fest, fleischig, Pralinen, von der Struktur her wie damals der heute geniale 1982er, aber bei weitem nicht so zugänglich in der Jugend. (20/20). 05: Dunkles Rubin-Purpur, satt in der Mitte. Wuchtiges, zu Kopf steigendes Bouquet, Red Curantnoten, fast etwas marmeladig, Amarenatouch und Vanille von hell gerösteten Barriques. Im Gaumen eine Droge, komplex, wieder recht viel rotbeerige, aber doch reife Eindrücke, Komplex, mit einem Wahnsinnigen Power ausgestattet, hyperkonzentriert. Irgendwie ist das weder ein Cos noch ein Bordeaux. Vielleicht erinnert er im Moment an einen grossen Châteauneuf. Letztendlich kann man aber einem Winzer nicht vorwerfen, dass ein Wein nicht typisch ist, wenn es die Natur anders vorgibt. Wird in seiner vollen Genussphase wohl wieder (wie bei den Fassproben) die Maximalnote erreichen. Diese Probe hier: 19/20. An der Präsentation von Wein & Co. In der Coburg in Wien ein absoluter Jahrhundertwein. 07: Eine Magnum, die noch ganz wenig Frucht zeigte die sich hinter einem gewaltig druckvollen Tanninmantel versteckte.Eine unfassbare Gewalt die sich mit eben so viel Potential vermischt. 09: Eine absolute Droge am Welt-Wein-Festival in Bad Ragaz. Dick, rund, sexy und doch harmonisch. Von allem ein Bisschen zu viel! 11: Leider korkte der 2003 Cos d’Estournel. Und zwar so stark, dass man ihn als Schulbeispiel für Kurse hätte verwenden können. Vom Lehrerpult hätte man den stinkigen Megakork im ganzen Klassenzimmer riechen können. (20/20). 11: Die Nase erinnerte mich an eine leere Tasse Italo-Mocca, bei dem noch der braun-schwarze Schaum am Rand klebte, Pumpernickelbrot und zusätzlich in diesen schwarzen Aromen dann auch noch ein sehr dunkles Toasting von den Barriquen zeigend. Oder liegt diese Grundaromatik im heissen Jahrgang? Der Gaumen ist leicht Vintageportig. Trotz der gewaltigen Konzentration ist der Fluss schon sehr saftig und das Finale zeigt wieder eine schwarzaromatische Trilogie. Nein – als grossen Bordeaux kann man diesen Cos fast nicht bezeichnen, dafür ist der Grundgeschmack zu ausufernd. Als Weltklassewein dafür aber schon. Und wer diese Maximalpunktezuahl verstehen will, der muss in Gottes Namen mindestens 10 Jahre warten. Auch wenn der Wein jetzt schon gewaltig einfährt. (20/20). 13: Sehr dunkel, schwarze Reflexe. Extrem, dichtes, tiefgründiges Bouquet, die Hitze spürt man in Form von einem extremen Moccaton, Brazil-Tabak, Kaffee, Malagatrauben, schwarze Oliven, wirkt momentan trocken, zeigt aber eine wahnsinnige Tiefe dabei. Im Gaumen satt, kompakt, fast etwas sperrig, eine feine Zungenbitterkeit welche Stielwürzaromen und Rauchkomponenten in sich trägt. Im Prinzip ist das eine Vorstufe zu dem, was die Käufer vom Cos 2009 erwarten wird. Weit weg von der Klassik – aber extrem nah an fragloser Weltklasse! (20/20). 16: Bei einem Lunch auf Cos. Just dekantiert und sofort eingeschenkt ging es sofort los. Ein wuchtiger, opulenter Wein einer besonderen, schwer vergleichbaren Art. (20/20). 18: Momentan verschliesst er sich wieder und zeigt die erste halbe Stunde lang reduktive, an einen warmen Pneu erinnernde Noten. Dahinter ist aber alles paletti. Ich würde jetzt zwei Jahre warten. (20/20). 18: Am Geburtsag von Jörg war eine ziemlich portige, gar leicht oxydative Flasche dabei. Muss man sich jetzt Sorgen machen? (Keine Bewertung). 18: Sehr dunkles Purpur mit dezent bräunlichen Noten im Innern. Die Nase zeigt Rauch, kandierte Früchte, Kaffee aber auch Spuren von Demi-Glace (kalter Bratensauce). Trotz seiner Intensität wirkt er nasal irgendwie momentan irgendwie introvertiert. Im Gaumen zeigt er sich präsenter, sehr dunkelbeerig. Er vermittelt eine kompakte Süsse, der Fluss wirkt rauh und unfertig, schier sandig, der Nachhall ist gewaltig. Irgendwie ist er gross, andererseits wirkt er extrahiert und auch etwas kernig. Ich bin gerne bereit wieder aufzurunden, wenn er sich in den nächsten Jahren positiv weiterentwickelt und sich noch etwas harmonisiert. Der Fanclub bleibt aber unvermindert gross. Momentan: 18/20. 20: Im Innern satt, aussen eine erste ziegelrote Verfärbung zeigend. Das Bouquet ist von dramatischem Power; Nougat, frische Röstnoten, Kandis, Caramel, Dörrpflaumen, Dörrbananen, Korinthen, Mocca, Mocca und nochmals Mocca. Im Gaumen geht es granatenhaft weiter. Voller Body mit einer ausufernden Aromatik und Cabernetsüsse. Fast eine Art «Cabernet-Likör». Ein gesetzter Kandidat für Blindproben. Man kann ihn sogar in eine Amarone-Tasting stellen. Er hat auch da grosse Chancen zu gewinnen. (20/20). 20: Extrem dunkel, fast schwarz in der Mitte. Intensives Bouquet mit Tiefenanzeige, Lakritze, Pfeffermehl, wirkt sanft trocken im Ansatz. Beim zweiten Kontakt, zeigt er Korinthen, Backpflaumen, Teer, Bakelit und Brazil-Tabak. Nicht mehr so kompottig wie in seiner ersten Jugendphase. Im Gaumen satt, konzentriert, opulent und mit ausgeglichener Adstringenz unterwegs. Ein grosser Cos der immer mehr in Richtung langlebiger Klassik unterwegs ist. Hat er schon seine richtige Genussreife erreicht? Ich glaube nicht. Er trägt eine Genuss-Garantie für mindestens 20 weitere Jahre in sich. (20/20).